Vor 15 Jahren hat Deutschland begonnen die Telematik Infrastruktur (TI) zum Austausch von Gesundheitsinformationen aufzubauen. Was hat es gebracht? Eine Gesundheitskarte – elektronisch immerhin – auf der Name, Adresse, Krankenversicherung und Geburtsdatum des Versicherten gespeichert sind. Wird die TI mit der Gesundheitskarte jemals ihr volles Potenzial entfalten können oder verliert sie aufgrund des langen Entwicklungszeitraum ihren Mehrwert – wie einst der Transrapid? 

Das langsame Versagen des schnellen Zuges

transrapidDie Magnetschwebebahn Transrapid versprach superschnelles, lärmfreies und luxuriöses Reisen mit einer Geschwindigkeit von 500 km/h. Thyssen, Siemens, AEG und andere wollten gemeinsam mit der Bundesregierung und der Deutschen Bahn eine neue Verkehrsinfrastruktur von beispielloser Dimension schaffen. Von Hamburg nach Berlin und von Lissabon nach St. Petersburg sollte der Transrapid den Zusammenhalt Europas stärken und Menschen schneller zusammenbringen.

Machbarkeitsstudien wurden durchgeführt für Verbindungen zwischen Dubai und Abu Dhabi, Las Vegas und Los Angeles, Bern und Zürich. Eine Testanlage wurde gebaut und in Shanghai die weltweit erste komerzielle Strecke in Betrieb genommen.

Aber dann wurden normale Züge schneller und Flüge billiger. Die Machbarkeitsstudien wurden eingestellt. Ein Unfall mit 23 Toten verpasste dem Stolz der deutschen Ingenieurskunst den letzten Sargnagel.

Warum Innovationen scheitern

Ideen werden erst durch ihre Umsetzung in den Alltag zu echter Innovation. Dazu fehlte dem Transrapid die Kraft – und so entpuppte er sich als High-Tech Brücke ins Nichts. Was war passiert?

1. Kein ausreichender Mehrwert
Mit der Veränderung des konventionellen Schienen- und Luftverkehrs lieferte die Technologie keinen ausreichenden Mehrwert mehr, um den Preis zu rechtfertigen. Mit der Einführung moderner Hochgeschwindigkeitszüge schmolzen die vom Transrapid versprochenen Vorteile schnell dahin.

Als die TI geplant wurde, war das iPhone noch nicht am Horizont – ganz zu schweigen von Alexa, Big Data, KI, maschinellem Lernen etc. Was wird mit der TI passieren, wenn neue Technologien einen höheren Nutzen liefern, weniger Investitionen erfordern und einfacher einzuführen sind? Eric Schmidt, Executive Chairman und ehemaliger CEO von Google, Inc., adressierte diesen Punkt bei der HIMSS18 Konferenz und bat die versammelte Health-IT-Branche, die Google-Infrastruktur nicht nachzubauen – dazu sei sie eh nicht in der Lage – sondern sie zu nutzen, um echte Innovation zu schaffen. 

2. Desruptiv für ein funktionierendes System
Der Transrapid stellte eine bahnbrechende Technologie dar, die Investitionen in eine ganz neue Infrastruktur erforderte. Warum nicht das bestehende konventionelle Zugsystem verbessern? Letztendlich wurde genau das getan.

Was, wenn Gesundheitsinvestitionen die Lücken im bestehenden System schließen, dort wo sie auftreten – anstatt eine völlig neue digitale Infrastruktur für alle schaffen zu wollen? Die AOK Nord hat zusammen mit Vivantes und Sana bereits Pilotprojekte mit eigener Patientenakte und IT-Infrastruktur gestartet.

Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes: „Die AOK verfolgt keinen zentralen Ansatz, wie bei der gematik. Je nach regionaler Situation werden wir unterschiedliche Anwendungen mit verschiedenen Partnern umsetzen. Alle diese Lösungen sind aber anschlussfähig [an die TI].“

3. Mangelnde Kenntniss der Kundenbedürfnisse
Die Industriekonsortien und die Politik ignorierten den Paradigmenwechsel in der individuellen Mobilität, der sich über die lange Entwicklungsperiode hinzog. „Der Transrapid lieferte Antworten auf Fragen, die niemand mehr gestellt hat. Der Anwendungsfall, für den das System in den 60er und 70er Jahren konzipiert wurde, war dreißig Jahre später nicht mehr gültig. „(Prof. Reinhold Bauer, Universität Stuttgart, SZ online, 09/2014)

Claudia Dirks ging auf  diesen Aspekt ein und twitterte:

Branchenweite Ungeldud

Professionelle Akteure im Gesundheitswesen werden zunehmen ungeduldig über die schleppende Digitalisierung. Der Ton unter den Marktteilnehmer wird rauer. So twitterte Oliver Bruzek, CompuGroups CCO Political & Public Affairs:

Die Deutschen gelten weltweit als gute Planer. Wir erkennen Erfolgsfaktoren und Probleme frühzeitig, vermeiden vorhersehbare Fehler und setzen dann effizient um; so jedenfalls das Bild in der Welt. Bei komplexen technischen Innovationen kann dies aber lange Zeit in Anspruch nehmen; Zeit, in der die Welt sich weiterdreht. Dies scheint nun auch die zukünftige Bundesregierung erkannt zu haben und forciert den Einsatz und die Ausweitung der TI. Lesen Sie dazu meinen vorherigen Blog. 


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